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25 Jahre Tagestreff Femmetastisch - Geschützte Räume für Frauen, Grundversorgung und ein Stück Heimat

Stuttgart, 17. Juli 2018

Stuttgart: Am 17. Juli 2018 feierte der SkF das 25jährige Bestehen des „Tagestreffs Femmetastisch“ für Frauen in Wohnungsnot. Von Anfang an bot der Tagestreff mit seinem frauenspezifischen Ansatz in Stuttgart und Umgebung ein einzigartiges Angebot. Inzwischen bietet der Bereich Wohnungsnotfallhilfe für Frauen auch 20 Plätze im Betreuten Wohnen und 4 Plätze im Begleiteten Wohnen in Zimmern und Appartements des SkF oder in von den Frauen selbst angemietetem Wohnraum. Femmetastisch wird heute mehr denn je gebraucht. Altersarmut bei Frauen und Wohnungsnot sind aktuelle gesellschaftliche Probleme, deren Auswirkungen im Tagestreff spürbar sind. "Wir appellieren daher an alle politisch Verantwortlichen, ihre Einfluss- und Gestaltungsmöglichkeiten für Frauen in Not und im Sinne eines solidarischen gesellschaftlichen Miteinanders zu nützen", so Angela Riße, Geschäftsführerin des SkF.

Am 19. Februar 1993 öffnete die "Tagesstätte für Frauen" erstmals ihre Türen. Eine 4 1/2-Zimmer-Wohnung in der Stöckachstraße 55 war die erste Adresse. "Für den Verein war es ein Sprung ins kalte Wasser", berichtet Geschäftsführerin Angela Riße, "denn die Finanzierung war nicht geklärt." Zwar war es die Stadt in Person des damaligen Sozialamtsleiters Dieter Rilling, der beim SkF die Trägerschaft angefragt hatte und auch die Förderung in Aussicht stellte. Der Arbeitskreis Frauen, ein Zusammenschluss von Praktikerinnen aus der Sozialarbeit, sah für Stuttgart schon lange die Notwendigkeit, einen geschützten Ort für Frauen in Wohnungsnot zu schaffen. Die städtische Unterstützung sollte aber noch einige Jahre auf sich warten lassen, da Anfang der 90iger Jahre plötzlich Ebbe in der Kasse  war.

„Heute ist es immer noch wichtig, frauenspezifische Angebote in der Wohnungsnotfallhilfe vorzuhalten“, stellte Christa Reuschle-Grundmann, Abteilungsleiterin Offene Dienste beim SkF, fest. „Denn die Frauen in Wohnungsnot haben häufig traumatische Erfahrungen gemacht und leiden unter entsprechenden Folgen und Beeinträchtigungen. Daher sind geschützte Räume notwendig, damit die betroffenen Frauen nicht erneut Übergriffe erleiden."

Femmetastisch bietet heute für Frauen, die wohnungslos sind oder in ungesicherten Verhältnissen leben, tagsüber eine geschützte Aufenthaltsmöglichkeit mit warmem Mittagstisch, der Möglichkeit zu duschen, Wäsche zu waschen und einfach auszuruhen. Zudem gibt es einen Second-Hand-Kleidershop und ein offenes PC-Angebot. Das neue Projekt MediA ermöglicht für die Frauen im Tagestreff gesundheitsfördernde Angebote bis hin zur Begleitung bei Arztbesuchen. Berufliche Hilfen bietet die Berufliche Beratungsstelle für Frauen in besonderen Lebenssituationen des FrauenBerufsZentrums vom SkF, das im selben Haus untergebracht ist. 

Vorstandsfrau Christa Vossschulte begrüßte bei der Feier zum 25jährigen Jubiläum des Tagestreffs Sozialbürgermeister Wölfle, Professor Dr. Stefan Ehehalt, den Amtsleiter des Gesundheitsamts, Walter Tattermusch, ehemaliger Amtsleiter des Sozialamtes der Stadt Stuttgart, Dr. Maria Hackl als Vertreterin des Caritasverbandes der Diözese, Herrn und Frau Möhler von der Möhler-Stiftung sowie die SkF-Ehrenvorsitzende Therese Wieland. "Diese spezifische Einrichtung für Frauen bietet neben der umfänglichen Grundversorgung des täglichen Lebens einen besonderen Schutzraum für benachteiligte Frauen in sozialen Notlagen“, so Christa Vossschulte. „Das sind Frauen in Wohnungsnot, Frauen die isoliert sind, Frauen die erleben mussten, dass das Leben es nicht gut mit ihnen meint. Daher ist es uns ein besonderes Anliegen als SkF, diesen Frauen einen Ort zu geben, an dem sie Rücksichtnahme erleben, mit Respekt behandelt werden und sich wieder als Teil einer Gemeinschaft erleben können. Allen Frauen, gleich welcher Herkunft, Religion oder Nationalität, steht unser Tagestreff zur Verfügung.“

Geschichte des Tagestreffs
Frau Riße bot den Besucher*innen einen kurzen Gang durch die lebhafte Geschichte des Tagestreffs an: Schon im Gründungsjahr der Tagesstätte 1993 nahm der SkF Verhandlungen mit der Stadt Stuttgart auf, um Frauen über betreute Wohnangebote mit Wohnraum versorgen  und sie intensiver begleiten zu können. Ab Januar 1994 stand beim SkF in der Olgastraße 46 dafür die erste Wohnung zur Verfügung. Sie wurde schnell belegt. Ab Juli 1994 gab es bereits täglich eine warme Mahlzeit. An vier Tagen in der Woche halfen Ehrenamtliche aus, damit dies personell gestemmt werden konnte.

Bundesmodellprojekt "Hilfen für alleinstehende wohnungslose Frauen" (1995-1998)
Ein Höhepunkt in der Geschichte des Tagestreffs ist die Teilnahme am Bundesmodellprojekt "Hilfen für alleinstehende wohnungslose Frauen" (1995-1998). Es bot dem Verein die Chance, die engen personellen Ressourcen aufzustocken und neue Angebote im Tagestreff zu entwickeln und zu erproben. Ausgewählt worden war der Tagestreff des SkF als einer von fünf Teilnehmenden aus fast 90 Bewerbungen. Entstanden ist daraus unter anderem eine Kreativwerkstatt. Das schöpferische Tun ohne Leistungsdruck ermöglichte es vielen Frauen, ihre eigene Kreativität zu entwickeln und zu erleben und hierüber wieder Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu fassen. Der Einsatz von Kunsttherapie in der Wohnungsnotfallhilfe war seinerzeit noch Neuland. Im Anschluss an das Bundesmodellprojekt nahm der SkF an einem vom Europäischen Sozialfonds ausgelobten Folgeprojekt teil. Hieraus entstand ein Berufsorientierungskurs für Frauen, die aufgrund lang anhaltender Erwerbspausen kaum noch Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt hatten. Ein solches Angebot, das sich  insbesondere auch an Frauen nach Psychiatrieaufenthalten richtete, gab es bis dato in Stuttgart nicht. Die Erfahrungen mit diesem Projekt gaben mit den Anstoß, die beruflichen Hilfen für chancenarme Frauen beim SkF weiter auszubauen und im Jahr 2004 das FrauenBerufsZentrum zu gründen.

Femmetastisch und Betreutes Wohnen
1996 erhielt die Tagesstätte ihren Namen: die Mehrheit der Besucherinnen entschied sich für die deutsch-französische Wortschöpfung FEMMETASTISCH = für Frauen ist es fantastisch, dass es die Tagesstätte für wohnungslose Frauen gibt. 1999 zog Femmetastisch aus der Stöckachstraße 55 in die Heusteigstraße 20, nachdem der Treff zu klein geworden war. 2002 wurde das Betreute Wohnen weiter ausgebaut, insgesamt 12 Frauen konnten jetzt unterstützt werden. Hierzu wurden  im ehemaligen Rupert-Mayer-Heim in der Hackstraße weitere Wohnungen angemietet. 2013 folgten Wohnungen am Standort Heusteigstraße und 2015 weitere Wohnungen in Stuttgart-Hedelfingen in einer Immobilie der St. Anna Stiftung. Insgesamt bietet Femmetastisch heute für 24 Frauen intensivere Betreuung in 14 trägereigenen Wohnungen und im eigenen Wohnraum der Frauen an. Seit 2010 können wir diese Frauen bei Bedarf noch lose nachbetreuen, wenn das betreute Wohnen ausgelaufen ist. Hierdurch kann gerade auch bei älteren Frauen ein brüsker Hilfeabbruch vermieden werden.

Besucherinnenzahlen
Nach dem Umzug des Tagestreffs in die Heusteigstraße im Jahr 1999, hatten sich die Besucherinnenzahlen mehr als verdoppelt. Zeitweise kamen mehr als 40 Frauen täglich. Die räumliche Enge, die dadurch entstand, stellte Besucherinnen und Mitarbeiterinnen vor große Herausforderungen. Um mehr Raum zu gewinnen, wurde Mitte 2011 mit umfangreichen Umbaumaßnahmen begonnen. Bereits 2012 werden die neu umgebauten Räumlichkeiten eröffnet.

Die aktuelle Notwendigkeit des Tagestreff wird auch an der Statistik deutlich: Im Jahr 2017 kamen 7.149 Besucherinnen in den Tagestreff Femmetastisch, 49 Frauen besuchten erstmalig den Tagestreff. 4.051 Mittagessen wurden ausgegeben und 5.331 Frauen nahmen die kostenlose Nachmittagsverköstigung in Anspruch. 366 Clearing- und Beratungsgespräche wurden geführt. Insgesamt 24 Frauen wurden im Betreuten Wohnen begleitet und unterstützt.

Seit Januar 2017 gibt es im Tagestreff das Projekt MediA (Medizinische Assistenz). Das Projekt soll die gesundheitliche Versorgung von Menschen in schwierigen Lebenssituationen und in Wohnungsnot verbessern. Das Kooperationsprojekt von Caritas, eva und SkF, das von der Vector Stiftung gefördert wird, ist zunächst auf drei Jahre angelegt.

25 Jahre Mitarbeit im Tagestreff
Die erste Mitarbeiterin im Tagestreff war Barbara Jawara, eine Sozialarbeiterin, die schon Erfahrungen in der allgemeinen Wohnungslosenhilfe gesammelt hatte. Sie ist dem Tagestreff bis heute treu geblieben. Mit den Jahren kamen weitere Kolleginnen hinzu. Heute arbeiten im Bereich der SkF-Wohnungsnotfallhilfe für Frauen zehn Mitarbeiterinnen mit einer eigenen Leitung. Ergänzt wird das hauptamtliche Personal durch mindestens doppelt so viele Ehrenamtliche, die teilweise schon über Jahre im Tagestreff aktiv sind.

Auf ihre Erfahrungen seit Gründung des Tagestreffs angesprochen, meint Barbara Jawara: „In den 25 Jahren habe ich gelernt, dass die Hilfen sehr schnell kommen müssen. Viele Frauen sind durch Scheidung, Trennung, Krankheit oder Arbeitsplatzverlust in Notlagen gekommen. Wenn man sie gleich an die Hand nehmen und sie nicht von Amt zu Amt schicken würde, dann könnte man diese Frau vielleicht schnell auffangen. Aber die bürokratischen Geschichten verlangsamen das alles und irgendwann ist es dann zu spät. Das Selbstwertgefühl wird zerstört, die Frauen haben keine Kraft mehr zu kämpfen und verlieren den Boden unter den Füßen.“

Sehr beschäftigt die Mitarbeitenden im Tagestreff aktuell die Situation älterer Frauen: „Ich finde es schlimm, dass Frauen aus dem System rausfallen, auch wenn sie gearbeitet haben, weil sie krank sind oder viel zu wenig Rente bekommen. Wir haben immer mehr Besucherinnen, die älter sind, 60, 70 aufwärts", meint Barbara Jawara und ergänzt: „Wenn ein Zuhause, Familie, Freund*innen und soziale Bezüge fehlen, ist es wichtig, einen Ort zu haben, an dem alltägliche Rituale gelebt werden können. Was ich gut finde ist, dass wir so etwas wie Heimat für die Frauen sein können. Und besonders dankbar bin ich immer wieder für das große Engagement der Ehrenamtlichen. Ich kann kaum beschreiben, was sie in den vergangenen 25 Jahren alles geleistet und für die Besucherinnen getan haben."

 

Der SkF Stuttgart, Frauenfachverband im Caritasverband, setzt sich mit 225 Hauptamtlichen und 173 Ehrenamtlichen für Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen ein.


V.i.S.d.P.
Angela Riße, Geschäftsführerin

 

geschrieben am 17.07.2018 um 17:45 Uhr.
 
 
 
 
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