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SkF Stuttgart feiert 40 Jahre Schwangerschaftsberatung

Stuttgart, 24. Oktober 2017

"Es war eine Riesenunterstützung, ich konnte mit jemandem über alles reden, ich weiß nicht, wie ich es ohne diese Hilfe geschafft hätte", berichtet Lena T.* Vor drei Jahren suchte sie Hilfe in der Schwangerschaftsberatung des SkF. Heute ist ihre Tochter im Kindergarten und Lena T. hat ihre Ausbildung zur Medizinisch-technischen Assistentin fast abgeschlossen.

1977 wurde die erste katholische Schwangerschaftsberatungsstelle in der Diözese Rottenburg-Stuttgart staatlich anerkannt. Träger in der Region Stuttgart war und ist der heutige Sozialdienst katholischer Frauen - Diözese Rottenburg Stuttgart (SkF). Die Beraterinnen arbeiten in Stuttgart, Esslingen, Nürtingen, Waiblingen, Ludwigsburg und Bietigheim. Bis heute haben sie viele Frauen und Familien begleitet und dabei in persönlichen Notlagen geholfen, die oft Spiegel gesamtgesellschaftlicher Probleme waren und sind.

Ein großer Einschnitt für die Schwangerschaftsberaterinnen beim SkF war im Jahr 2000 der Ausstieg der katholischen Beratungsstellen aus der Konfliktberatung. "Eine bittere Stunde für die katholischen Beratungsstellen," stellt Therese Wieland, Ehrenvorsitzende des SkF klar, "Beraterinnen des SkF schrieben damals im Jahresbericht: Es wird die Chance vergeben, Frauen im Konflikt zu erreichen. Sie werden im Stich gelassen." Die Konfliktberatungen gingen dadurch drastisch zurück, die Beratungsnachfrage ist jedoch nicht weniger geworden. Das lag sicher auch daran, dass der SkF sich immer wieder neu auf aktuelle Nöte von Frauen einstellt. Angebote im Bereich der "Frühen Hilfen" sind hinzugekommen, auch Beratung nach Pränataldiagnostik, vorgeburtliche Bindungsförderung und kultursensible Beratung für geflüchtete Frauen.

Für die Beraterinnen bedeutet der Blick auf die aktuellen gesellschaftlichen Probleme und die besonderen Notlagen von schwangeren Frauen und jungen Mütter, ihre Kompetenzen immer wieder zu aktualisieren und zu erweitern. Neben psychosozialer Begleitung sind für die SkF-Beraterinnen fundierte Kenntnisse im Sozialrecht, in Schuldnerberatung, Ausländerrecht, Kindschaftsrecht, bei Antragstellungen und zu medizinischen Fragen rund um Schwangerschaft und Geburt selbstverständliches Handwerkszeug.

"Es gab in den vergangenen Jahren Entwicklungen, die sich für die jungen Mütter positiv auswirken, aber vieles ist auch schwieriger geworden", berichtet Christa Reuschle-Grundmann, Leiterin der Offenen Dienste im SKF. Ein Beispiel ist das neue Kindschaftsrecht, das einerseits das Recht des Kindes stärkt, andererseits aber auch Frauen, die in ihren Beziehungen Gewalt erlebt haben, zu einem immer wiederkehrenden Kontakt mit dem Vater/Täter zwingt.

Ein Thema, das über all die 40 Jahre in den Beratungen unverändert eine große Rolle spielt, ist das Thema Armut. Bis heute verdienen Frauen weniger als Männer, selbst wenn sie dieselbe Arbeit leisten. Befristete Verträge und Teilzeitstellen verstärken die Unsicherheit und die Armutsproblematik. Bei einer Schwangerschaft müssen Ausbildung oder Arbeit zumindest kurzfristig unterbrochen werden. Der Wiedereinstieg ist durch mangelnde Kinderbetreuung erschwert. In den Beratungen geht es darum, wie die besonderen finanziellen Belastungen, die mit einem Kind verbunden sind, getragen werden können und welche Perspektiven es gibt. Die Klient*innen werden z.B. darin unterstützt, die ihnen zustehenden Leistungen in Anspruch zu nehmen, ihre schulischen und beruflichen Pläne zu realisieren und/oder eine geeignete Betreuung für das Kind zu finden. Oft ist zunächst ein Antrag bei der Bundesstiftung „Mutter und Kind – Schutz des ungeborenen Leben“ oder bei den bischöflichen Fonds eine wichtige Unterstützung. Ein anderes Thema, das die jungen Mütter und Familien in Not bringt, ist die angespannte Situation auf dem Wohnungsmarkt.

Die zunehmenden Probleme machen vielen Frauen die Entscheidung für ein Kind nicht leicht. Der Beratungsbedarf steigt, sowohl vor als auch nach der Geburt. Die Problemlagen, die in den Beratungsgesprächen angesprochen werden, sind komplex. Die Beraterinnen stehen immer wieder auch vor der Situation, Not lindern, aber nicht grundlegend helfen zu können. Das ist z.B. bei der Suche nach Wohnraum im Ballungsraum Stuttgart der Fall. Auch wenn die Existenzsicherung durch die Geburt eines Kindes dauerhaft erheblich gefährdet ist, z.B. wenn der Anspruch auf Elterngeld ausläuft - 1 Jahr nach Geburt des Kindes - und die Frauen ihr bisheriges Beschäftigungsverhältnis aufgeben müssen, weil es an Kinderbetreuung mangelt oder die Arbeitszeiten mit der Kinderbetreuung nicht vereinbar sind, etwa bei Schichtdienst. "Es wäre ein Segen, wenn das Elterngeld mindestens um ein weiteres Jahr verlängert in Anspruch genommen werden könnte, um den Familien den Existenzdruck zu nehmen", meint Angela Riße, Geschäftsführerin des SkF.

 

Dass die Situation der Klientinnen zunehmend von Geldnot bestimmt ist, berichtet auch Marie-Therese Schaadt, die als Bereichsleiterin Schwangerschaftsberatung auch selbst beratend tätig ist: "Trotz der von der Politik nach außen propagierten guten Beschäftigungslage in Baden Württemberg arbeiten unsere Klientinnen und Klienten größtenteils in ungesicherten, prekären Arbeitsverhältnissen und erhalten Bezahlungen, die nicht ausreichen den Lebensunterhalt für eine Familie aus eigener Kraft zu erwirtschaften." Angesichts der großen Armutsproblematik ist, neben einer fachlichen und empathischen Beratungsarbeit, die Lobbyarbeit für Frauen ein wichtiges Anliegen des SkF, damit sich strukturell für Familien etwas ändert.

Den Verein drücken aber auch eigene Sorgen, denn die Beratungsarbeit ist seit letztem Jahr nicht mehr ausreichend finanziert. Mit den bisher gewährten kirchlichen Mitteln und den Landesmitteln können die gestiegenen Personalkosten nicht gedeckt werden. Der SkF hat daher bei den kommunalen Trägern, wie der Stadt Stuttgart und dem Landkreis Waiblingen, einen Antrag auf öffentliche Förderung gestellt und vertraut nun sehr darauf, dass das langjährige Engagement in diesem Basisdienst für Frauen und Familien entsprechende Anerkennung findet.

 *Name geändert


Der SkF Stuttgart, Frauenfachverband im Caritasverband, setzt sich mit 220 Hauptamtlichen und 171 Ehrenamtlichen für Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen ein.

V.i.S.d.P.

Angela Riße, Geschäftsführerin

geschrieben am 30.11.2017 um 14:57 Uhr.
 
 
 
 
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