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"Welcome" für junge Geflüchtete erfolgreich

Integration gefördert – Ängste durch Unsicherheiten bei Ausbildungsduldung

Stuttgart, 27. Juli 2018

Seit Sommer 2016 gibt es in der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen die Kontakt- und Informationsstelle "Welcome". "Welcome" vermittelt und begleitet Patenschaften für junge Geflüchtete und betreibt Informations-, Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit zu den Themen Flucht, Fluchtfolgen und Integration.

Aktuell leben 35 junge Geflüchtete, darunter eine junge Frau, in der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen, dessen Träger der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. (SkF) ist. Die meisten (15) kommen aus Afghanistan, Somalia (9) und Syrien (3); aus dem Irak, Sri Lanka, Tschad, der Zentralafrikanischen Republik, Gambia, Eritrea, Pakistan und dem Senegal kommt jeweils einer der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Zwei der jungen Geflüchteten haben einen Arbeitsplatz, neun sind in Ausbildung zum Elektriker, Raumausstatter, Bibliothekar, Altenpfleger, zur Gesundheits- und Servicefachkraft, zum Metallfacharbeiter, Fliesenleger und Gärtner. Zur Schule gehen derzeit noch 24 junge Geflüchtete, sieben von ihnen sind bereits auf Ausbildungsplatzsuche. „Viele Betriebe geben den jungen Menschen eine Chance. Verläuft das Probearbeiten positiv, wird oft ein Ausbildungsverhältnis angeboten", berichtet Thorsten Schulz, Mitarbeiter im Projekt Welcome.

Insgesamt ist die Entwicklung der jungen Menschen bisher sehr positiv und erfolgreich. Dass die Integration gut gelingt, ist sicher auch den insgesamt 16 Patenschaften zu verdanken, die bisher im Rahmen des Projekts entstanden sind. „Patenschaften vermitteln den jungen unbegleiteten Flüchtlingen das Gefühl, hier willkommen zu sein", stellt Sabine Schöning-Müller, stellvertretende Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen und Projektleiterin des Welcome-Teams, fest. Für die jungen Menschen, die viel verloren und erlitten haben, ist dieses Gefühl besonders stärkend.

Umso schwerer trifft die jungen Geflüchteten, die Pädagog*innen, die Pat*innen und auch die Ausbilder*innen die aktuelle Entscheidungspraxis des Bundesamts für Migration und Integration. Von den Herkunftsländern der jungen Menschen wird nur der Senegal, aus dem einer der Jugendlichen kommt, als sicheres Herkunftsland eingeschätzt. Dennoch haben 13 junge Geflüchtete einen negativen Asylbescheid und einen daraus resultierendem Abschiebebescheid erhalten. Acht junge Menschen warten noch auf ihre Asylentscheidung, nur 14 der 35 in der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen betreuten jungen Geflüchteten haben einen positiven Asylbescheid erhalten und können sich dadurch ohne Angst vor Abschiebung auf ihre Ausbildung konzentrieren.

„Wir sind dem Bischöflichen Ordinariat sehr dankbar, das mit kirchlichen Mitteln der Diözese aus dem Flüchtlingsfonds auch eine gute rechtliche Vertretung der jungen Geflüchteten ermöglicht“, so Angela Riße, Geschäftsführerin des SkF, „und unser Dank gilt gleichermaßen dem Förderverein ‚Zukunft für Kinder‘ der Kinder- und Jugendhilfe Neuhausen, der durch praktische Einzelfallhilfe den jungen Menschen helfend zur Seite steht."  

Ein besonderes Hindernis für die berufliche Perspektive der Flüchtlinge sind gegenwärtig die neuen Unsicherheiten in der Auslegung des Aufenthaltsrechts. Für die Aufnahme bzw. Fortsetzung einer Ausbildung ist der Nachweis von Identitätspapieren, wie z.B. Geburtsurkunden, erforderlich. Diese Papiere sind notwendig, um einen Pass erhalten zu können, der Voraussetzung für die Erteilung einer Ausbildungsduldung bzw. einer Beschäftigungserlaubnis ist. Gerade in Kriegs- und Krisenregionen wie z.B. Afghanistan oder Somalia können solche Papiere aber oft nur schwer beschafft werden. „Wir tun alles, um den jungen Menschen bei der Beschaffung dieser nötigen Papiere zu helfen", so Angela Riße, „aber wir haben kein Verständnis dafür, dass eine Ausbildungsduldung versagt wird, wenn nachweislich von den Betroffenen alles getan wurde, um diese Papiere zu besorgen, die Papiere aber gar nicht in den wirklichkeitsfremden Fristen besorgt werden können."  

Dank der guten Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und ehrenamtlichen Pat*innen sind die jungen Zuwanderer in der Kinder- und Jugendhilfe inzwischen auf einem guten Weg. Um die Jugendlichen gut zu begleiten, sucht das Welcome-Team weitere Menschen, die Patenschaften übernehmen möchten. Ziel ist es, dass die jungen Menschen bei regelmäßigen Treffen, die jede Woche, vierzehntägig oder nach den individuellen Möglichkeiten stattfinden können, mehr über die deutsche Kultur erfahren und bei der Integration unterstützt werden.

Interessent*innen sind jederzeit willkommen und können sich unter welcome@skf-drs.de melden.

Der SkF Stuttgart, Frauenfachverband im Caritasverband, setzt sich mit 225 Hauptamtlichen und 173 Ehrenamtlichen für Frauen, Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen ein.

 

geschrieben am 27.07.2018 um 12:45 Uhr.
 
 
 
 
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